Daniel Junker, Holger Kliemannel (Hrsg.)

Heidnisches Jahrbuch 2007

Buch
Artikelnummer: 89644
ISBN / EAN: 9783938432068

Bd. 2

Titel fehlt kurzfristig.

Die Beiträge des Jahrbuchs im Einzelnen:

Renè Gründer untersucht die Rezeption germanischgläubigen Neuheidentums im Deutschland der Gegenwart. Angesichts der offiziellen Anerkennung von unterschiedlichen Asatru-Gruppen als Religionsgemeinschaften in einigen skandinavischen Ländern untersucht er die Rolle von dieser alternativen Religionsform im gegenwärtigen Deutschland. In seinem Beitrag stellt er die These auf, "daß die Konstruktion des "Neuheidentums" im Sinne einer Projektionsfolie für gesellschaftlich als deviant angesehene Überzeugungssysteme in Religion (Antichristentum), Wissenschaft (Irrationalismus) und Politik (Rechtsextremismus) fungiert." Ob er seine These aufgrund der von ihm gelieferten Argumente belegen kann, das soll jeder Leser für sich entscheiden.

Der bereits aus dem ersten Jahrbuch bekannte Altgermanist Kurt Oertel beschäftigt sich in seinem Beitrag mit dem Problem der Quellenkunde im Neuheidentum. Unter dem Titel Denn es steht geschrieben... zeigt Kurt Oertel die Probleme auf, die innerhalb der heidnischen Szene bei der Rezipierung von Quellen bestehen.

Aufgrund des Mangels an vollständigen und neuen Übersetzungen verlassen sich Heiden auf die teils fehlerhaften Übersetzungen des 19. und 20. Jahrhunderts, was zu Problemen bei der Interpretation führt. Peter Hilterhaus untersucht Die Thórsdrápa des Eilífr Gudrúnarson, die im späten 10. Jahrhundert in Norwegen entstanden ist. Es gibt viele mythologische Dichtungen zu dem germanischen Donnergott Thor, diese Skaldendichtung jedoch berichtet von einem höchst interessanten Abenteuer, das viele und wichtige Interpretationen zuläßt.

Nachdem Thomas Lückewerth uns im vergangenen Jahrbuch den Mythenmaler und Tempelkünstler Hermann Hendrich in Erinnerung gerufen hat, stellt er in diesem Jahr den Findlingspark von Henzendorf im Schlaubetal vor. Daß es Runensteine in Brandenburg gibt, die allesamt jüngeren Datums sind, davon weiß kaum jemand etwas. Im Park werden germanische, keltische und hethitische Findlinge von verschiedenen Künstlern ausgestellt, ein Park, dessen Besuch lohnenswert ist. Ein schönes Beispiel für heidnische Kultur in heutiger Zeit.

Hans Stucken führte für uns ein Interview mit Dr. Robert Wallis, dem Co-Autoren des "Galdrbok" unter dem Motto Galdr, Runen und ein neuer Lebenszauber. Dr. Wallis ist Associate Professor an der Richmond Universität in London und bekennender Heide. Sein Werdegang ist ein gutes Beispiel dafür, daß es sowohl möglich ist, praktizierender Heide zu sein und trotzdem eine erfolgreiche akademische Laufbahn einzuschlagen. Allein die Tatsache, daß wir darauf gesondert hinweisen müssen, ist ein Skandal und zeigt, daß es hier noch eine deutliche Schieflage innerhalb der akademischen Welt gibt. Schließlich gibt es ja auch eine Reihe ausgezeichneter Theologen, die zufälligerweise auch noch Christen sind.

Ulrike Kahrs beschäftigt sich in ihrem Beitrag Die weißen, reinen Mari mit den traditionellen Glaubensvorstellungen der Mari, dem letzten heidnischen Volk in Europa, das im mittleren Wolgagebiet - in der Republik Myrij El - beheimatet ist. Bis heute praktizieren sie ihre alten Bräuchen und ihre Jahreskreisfeste. Kernstück ihres Glaubens ist eine ausgeprägte Ahnenverehrung. Christliche Missionare aus Finnland bemühen sich gerade diese Menschen in den Schoß der Kirche zurückzuführen.

Mit den Traditionen zum Perchtenkult hat sich Thomas Lückewerth beschäftigt. Die Nacht der Frau Percht ist heute weitestgehend eine Touristenattraktion in den alpinen Regionen, und "offiziell schreibt man das Perchtentreiben dem Katholizismus zu", doch "was haben zottelige lärmende Wesen, furchterregende gehörnte Gestalten, die schnabeltragende Frau Percht und ihr Erscheinen zur Wintersonnenwende mit dem Katholizismus zu tun?" fragt der Autor berechtigter Weise.

Mit abgeschlagenen, sprechenden und grünen Köpfen beschäftigt sich der Autor und Künstler Voenix in seinem Beitrag Schädelkult. Der Artikel ist nicht so blutrünstig wie der Titel vermuten läßt, sondern widmet sich ganz sachlich Kopf-Kultvorstellungen verschiedener Epochen und Kulturen. Daß der Kopf und seine Bedeutung ein wichtiger Bestandteil in den Glaubensvorstellungen vieler Kulturen war, das wird hier deutlich dargelegt. Exklusiv für dieses Jahrbuch hat Voenix das Bild Vainamoinen gemalt, für das wir ihm herzlich danken.

Reinhard Falter geht in seinem Beitrag Die Interpretation der antiken Mytsterien der Frage nach, wie wichtig die Verortung in einer naturreligiösen Glaubensvorstellung ist. Dabei zeigt er die Grenze und Unterschiede zwischen einer Erfahrungsreligion und esoterischen Feldern wie Mystik, Magie und Gnosis auf. Ein provozierender, teilweise verstörender Beitrag, der aber wichtige Fragen aufwirft.

Unter dem Titel Das Kleinod Odrörir untersucht Baal Müller Stefan Georges "Lieder vom Wote". Daß das Gedicht "Das Wort" in einem "Geflecht mythologischer Beziehungen" steht und dabei auf den runenkundigen Dichter und Totengott Odin verweist, wird von ihm ausführlich geschildert. Daß auch andere Mitglieder des Münchner Kosmiker Kreises sich mit dem nordischen Gott befaßt haben, darauf geht Müller in seinem Beitrag auch ein.

Einen ganz besonderen Schatz hat Kurt Oertel für uns ausgegraben, das bis dato unveröffentlichte Gedicht Die Stimmen im Tempel zu Karnak seines Großonkels Willy Oertel. Der Maler, Schriftsteller und Kabarettist gehörte dem Bohemien-Milieu an und war Mitglied des heidnischen Künstlerkreis Schwabings, in dem auch Stefan George Mitglied war. Wir danken an dieser Stelle Kurt Oertel für die zur Verfügungstellung des Typoskript aus dem Familiennachlaß.

Die Beschäftigung mit dem Neuheidentum ist in Deutschland auch immer eine Auseinandersetzung mit völkischen und rechtsextremen Strömungen. Unser Autor Christian Brüning setzt sich in seinem Beitrag Völkische Esoterik und germanisches Heidentum intensiv mit völkisch-religiösen Traditionssträngen auseinander und vergleicht diese mit dem polytheistischen Ansatz von heute. Ein wichtiger Beitrag, der klar herausarbeitet wo die Wurzeln heutiger Heiden nicht liegen.

Den Abschluß dieses Buches bilden neben einem Autorenwettbewerb des Verlages wieder ein umfassender über 40seitiger Rezensionsteil für Bücher und CDs, Autoreninfos, Termine 2007 und Kontaktadressen.

412 S., Abb., Pb.

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